Lufthansa im Krisenjahr 2026
Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten wirkt sich direkt auf die internationale Luftfahrt aus. Besonders Lufthansa steht aufgrund steigender Kerosinpreise und möglicher Versorgungsengpässe vor großen Herausforderungen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat daher mehrere Krisenszenarien erstellen lassen, um den Konzern auf jede Lage vorzubereiten.
Ursache der Krise: Kerosinpreis und geopolitische Unsicherheit
Der Iran-Krieg treibt die Kosten für Flugtreibstoff auf Rekordhöhen. Der Preis für ein Barrel liegt zeitweise bei 180 US-Dollar. Obwohl einige Analysten bis Jahresende mit einer Normalisierung rechnen, bleibt die Lage am Ölmarkt volatil. Besonders die Straße von Hormus, eine zentrale Route für Tanker, stellt derzeit ein geopolitisches Risiko dar.
Lufthansa und Ryanair: parallele Situationen mit unterschiedlichem Risikoprofil
Ryanair und Lufthansa haben jeweils rund 80 Prozent ihres Kerosinbedarfs langfristig abgesichert. Dieses sogenannte Fuel Hedging mindert zwar Preisspitzen, schützt aber nicht vollständig vor Marktschwankungen. Der verbleibende Anteil des Treibstoffverbrauchs muss zum Tageskurs gedeckt werden, was bei Lufthansa zu Mehrkosten von bis zu 1,5 Milliarden Euro führen kann.
Die Folgen für Passagiere sind steigende Flugpreise. Dennoch bleibt die Nachfrage stabil, insbesondere zu europäischen Urlaubszielen. Lufthansa plant daher zusätzliche Flüge nach Spanien, Italien und Griechenland.
Anpassung der Flotte: alte Modelle könnten ausgemustert werden
Um auf mögliche Engpässe reagieren zu können, bereitet der Konzern auch strukturelle Maßnahmen vor. So könnte die Stilllegung älterer Teilflotten beschleunigt werden. Gleichzeitig prüft Lufthansa, unprofitable Strecken zu streichen und Kapazitäten flexibel umzuleiten.
Balance zwischen Krisenmanagement und Wachstum
Lufthansa steht 2026 an einem kritischen Punkt zwischen Krisenmanagement und Marktausbau. Während die geopolitische Lage die operative Planung erschwert, profitiert der Konzern gleichzeitig von einer robusten Buchungslage im Europaverkehr. Diese Dualität – expandieren und gleichzeitig Risiken abfedern – ist eine der größten strategischen Herausforderungen für die kommenden Monate.
Selbst im optimistischen Szenario eines baldigen Kriegsendes erwartet Lufthansa harte Konkurrenz durch Golfcarrier wie Emirates oder Qatar Airways, die schnell Marktanteile im Asiengeschäft zurückgewinnen wollen. Für Reisende ist es daher umso wichtiger, ihre Fluggastrechte zu kennen und geltend zu machen, falls geplante Reisen beeinträchtigt werden.